Zur Schrift „Civilité“ schreibt Herr Ernst H. Wulfert (Schriftsetzer und Heimatforscher in Bad Sassendorf):
"Einen ansehnlichen Stempelschneider besaß Lyon in der Person des Robert Granjon, des Sohnes eines Pariser Druckers. In Verbindung mit dem Drucker Jean de Tournes (druckte von 1540 bis 1564) stellte er neue schöne Kursivtypen her, die starken Anklang fanden. Später unternahm Granjon den Versuch, die damals in Frankreich weit verbreitete Handschrift als Druckschrift zu formen. 1557 erhielt er für seine "Lettre Françoyse d’art de main" auf zehn Jahre ein Privileg, zu dessen Ausnutzung er eine eigene Druckerei in Lyon einrichtete. Doch war bei der ungewohnten Lesbarkeit dieser neuen Typengattung und ihren zahlreichen Abkürzungen den Versuchen Granjons nur ein geringer Erfolg beschieden, und es kam zu ihrer praktischen Verwertung fast nur in Schulbüchern. Zwei solche Elementarbücher waren "La Civilité puérile" des Erasmus (1559) und "La civile honesteté pour les enfants" (1560), und mit Bezug auf diese Bücher erhielt die der Schreibschrift genau nachgebildete Drucktype die Bezeichnung "Lettre de civilité".
Während in Frankreich die Verbreitung der Granjonschen Schreibschrift-Typen gering blieb, kamen sie zu größerer Verwendung in den Niederlanden, da sie von Christopher Plantin erworben und in seinen Verlagswerken gelegentlich gebraucht wurden. Auch andere flämische Drucker verwendeten diese Schreibschrift-Typen. Aber die Druckschriften hatten längst ihre eigenen wegweisenden Richtungen eingeschlagen. Die Schreibschrift "Lettre de Civilité" konnte sich in großem Umfang nicht durchsetzen."
Erst als Computerschrift taucht sie unter verschiedenen Namen in verschiedenen Schriftensammlungen wieder auf.

 

 

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